Schaumverödung

Die Sklerotherapie ist ein Verfahren zur Behandlung von Krampfadern, bei der die erkrankten Venen durch Injektion eines Sklerosierungsmittels ausgeschaltet und beseitigt werden. In dem Gefäß reagiert das injizierte Medikament mit der Venenwand, dies führt zum Verkleben und zum dauerhaften Verschluss. Diese Venen werden mit der Zeit vom Körper komplett abgebaut und resorbiert. 

Eine spezielle Form der Verödung ist die Schaumverödung, welche auch als Mikroschaum Verödung bezeichnet wird. Die Schaumverödung ist signifikant wirksamer als die Sklerosierung mit flüssigem Verödungsmittel. Ein entscheidender Vorteil ist, dass bei der Schaumherstellung das Volumen des Medikamentes bei gleichbleibender Dosis vergrößert wird, was die Verteilung in den Venen und die Effizienz der Behandlung steigert. Durch die Verdünnung des Wirkstoffes als Schaum können höhere Konzentrationen von Polidocanol (1%, 2% oder 3%) mit geringeren Risiken verwendet werden.

Bei der Schaumherstellung wird das flüssige Verödungsmittel Polidocanol (Handelsname Aethoxysklerol®) mit Luft oder CO2 in einem definierten Mischungsverhältnis in einen feinporigen Mikroblasenschaum umgewandelt. Die geschieht mit der Methode nach Tessari unter Verwendung von 2 Spritzen (Doppelspitzen Technik). Alternativ können technische Geräte zur Schaumherstellung verwendet. Die Geräte haben nach derzeitigen Erkenntnissen keinen entscheidenden Vorteil für das spätere Ergebnis. Am häufigsten wird die Doppelspritzen Methode zur Herstellung des Schaums eingesetzt. Die Verödung mit Schaum ist technisch aufwendiger und erfordert eine Punktion und Injektion unter Ultraschallkontrolle. Es wird die Ausbreitung und Verteilung des Schaumes kontrolliert. Die Menge des applizierten Schaums ist abhängig von Verteilung in den oberflächlichen Venen. 

Die Aufschäumung vergrößert das Volumen des flüssigen Verödungsmittels erheblich. Das übliche Mischungsverhältnis ist 1:4 (Polidocanol / Luft). Damit wird das Schaumvolumen auf das 5-fache des Volumens der Flüssigkeit ausgedehnt (1 ml Medikament ergeben 5 ml Mikroschaum). 

Die Injektion des Schaums erfolgt mit einer dünnen Nadel. Nach der Injektion können mit größeren Volumen ausgedehntere Krampfadern und Seitenastvarizen effektiver erreicht und behandelt werden. Der Schaum drückt das Blut aus den behandelten Venen, damit wird ein direkter Wandkontakt hergestellt. Eine großflächige kurze Kontaktzeit des Schaums mit der Venenwand ist entscheidend. Der Schaum wirkt an dem Endothel (Gefäßinnenwand) der Vene, diese wird spastisch und zieht sich zusammen. Die Schädigung der Venenwand erzeugt einen aseptischen thrombotischen Verschluss der Vene, die venöse Stauung ist beseitigt. Die verschlossenen Venen sind bei oberflächlichem Verlauf häufig später als verhärteter Strang tastbar. Sie werden im weiteren Verlauf bindegewebig umgebaut, vernarben und schließlich komplett resorbiert. 

Mit dem größeren Volumen und mehreren Punktionen können ausgedehntere Areale in sehr kurzer Zeit effizient behandelt werden. Es wird bei gleicher Menge des Wirkstoffes ein deutlich größeres Areal behandelbar. Die Schaumverödung eignet sich daher besonders für die Behandlung von Seitenästen, Rezidivvenen, Krampfadern mit kritischen Hautveränderungen, in Regionen Ulzeration oder zum isolierten Verschluss von Perforans Venen. Bei venösen Malformationen sind meistens stark verästelte Krampfadern vorhanden. Diese lassen sich mit einer Schaumverödung ideal minimalinvasiv therapieren. Die Wirksamkeit der Methode hängt von der Ausdehnung des Befundes, der richtigen Indikationsstellung, der Konzentration des Verödungsmittels, der Injektionstechnik, dem injizierten Schaumvolumen und der Erfahrung ab. 

Die Schaumverödung ist die ideale Ergänzung zur endovenösen Lasertherapie der ausgedehnteren Varikosis. Es können bei Kontrolluntersuchungen die restlichen Venen verödet werden. Gerade bei ausgeprägteren Krampfadern lässt sich nur mit der ergänzenden Schaum Sklerotherapie ein dauerhaft gutes Ergebnis erreichen. Die Verödung ist die entscheidende komplementäre Therapie zur endovenösen Laserbehandlung und ermöglicht langfristig gute Resultate. Bei ausgeprägten Krampfadern sind meistens mehrere Behandlungssitzungen notwendig. Die Menge des Verödungsmittels (pro kg Körpergewicht) bzw. die Schaummenge (10 ml pro Sitzung) sind bei den einzelnen Behandlungen begrenzt. Das Verödungsmittel gelangt mit dem Blutstrom auch in das tiefe Venensystem. Die Eiweißbindung des Schaums ist hoch, das Medikament wirkt an Ort und Stelle der Injektion und zeigt im tiefen Venensystem nahezu keine Wirkung mehr. Trotzdem sollte der venöse Blutfluss in den tiefen Venen direkt nach der Behandlung durch Bewegung (Spaziergang) angeregt werden. Ein oberschenkellanger Kompressionsstrumpf verbessert diesen Effekt zusätzlich.

Eine zu ausgedehnte Verödung ist nicht zu empfehlen, hier treten häufiger Nebenwirkungen und Beschwerden auf. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten und kann mehrfach in bestimmten Abständen wiederholt werden. Ggf. werden die Resultate auch bei Kontrolluntersuchungen mit Ultraschall überprüft.

Um die venöse Durchblutung zu fördern und das Risiko einer tiefen Venenthrombose zu minimieren wird allgemein empfohlen:

  • direkt nach der Behandlung einen 20 bis 30-minütigen Spaziergang zu unternehmen und
  • einen Oberschenkel-Kompressionsstrumpf für einige Tage zu tragen

Nach einer Schaumverödung kommt es häufiger als bei der Verödung mit flüssigem Verödungsmittel zu einer lokalen Reaktion der behandelten Venen. Es können Strangbildungen, knotige Verdickungen bzw. Verhärtungen der verödeten Venen auftreten. Die Beschwerden treten oft verzögert Tage bis Wochen nach der Behandlung auf. Zum Beispiel nach besonderer statischer Belastung oder muskulärer Belastung der Beine (durch Ausdauersport, ausgedehntes Wandern etc.). Die damit verbundene erhöhte Durchblutung führt zu einer venösen Druckerhöhung im oberflächlichen Venensystem und begünstigt Reaktionen in den vorbehandelten Venen. Die Beschwerden sind gelegentlich verbunden mit einer Rötung und Schwellung der Unterhaut und mehr oder weniger starken Schmerzen. Diese Reaktion entspricht der Symptomatik einer oberflächlichen Venenentzündung / Phlebitis bzw. oberflächlichen Venenthrombose. 

Die Beschwerden lassen sich am besten behandeln mit Heparin Salbe 60.000, alternativ kühlendes Heparin Gel, oder einfach lokale Kühlung, ggf. Einnahme von Ibuprofen 400mg/Aspirin 500mg bei Bedarf. Das Tragen eines Kompressionsstrumpfes für einige Tage wird meist als angenehm empfunden und lindert die Beschwerden und die damit verbundene lokale Schwellung. Beii stärkeren länger anhaltenden Beschwerden kann eine gerinnungshemmende Medikation für einige Tage diskutiert werden. Zum Beispiel mit einem niedermolekularen Heparin (Clexane® etc./Arixtra®) oder mit oralen Antikoagulanzien in niedriger Dosierung (Eliquis® oder Xarelto®/Rivaroxaban). Diese Medikamente sind allerdings rezeptpflichtig und müssen verordnet werden.

Die phlebitischen Beschwerden nach der Schaumverödung sind eine normale Reaktion und klingen wieder von allein ab, dies kann allerdings einige Wochen in Anspruch nehmen. Eine aseptische Thrombose und der dauerhafte Verschluss der Venen ist der beabsichtigte Effekt. Bei deutlicher lokaler Reaktion (Knotenbildung) kann auch eine Entlastungspunktion sinnvoll sein. Diese Maßnahme ist frühestens nach ca. 6 bis 8 Wochen möglich. 

Bei Beschwerden nach einer Schaumverödung stehen immer konservative Maßnahmen im Vordergrund. Häufiger als bei einer Sklerosierung mit flüssiger Lösung können nach einer Schaumverödung Pigmentierungen in der Haut auftreten. Diese Pigmentablagerungen bilden sich im Laufe der Zeit komplett zurück, dies kann aber mehrere Monate in Anspruch nehmen. Als lokale Therapie kann das Auftragen und Einmassieren von Heparinsalbe, Pigmanorm® / ähnliche Präparate oder Lymphdiaral DS® versucht werden. 

Ohne eine ergänzende Schaumverödung läßt sich bei sichtbarer restlicher Varikosis oder relevanten Rezidivvenen langfristig kein dauerhaft gutes Ergebnis erreichen.

Zusammenfassung:

Die Schaumverödung ist eine effiziente, minimalinvasive, gut verträgliche und sicherere Methode zur Behandlung der ausgeprägteren Varikosis und wirkt besser als eine Sklerosierung mit flüssigem Polidocanol. Die Methode ist ganz besonders für die Behandlung der Rezidivvarikosis oder für noch vorhandene restlichen Venen nach einer endovenösen Lasertherapie geeignet. Die Behandlung erfolgt ambulant, eine Krankschreibung ist nicht erforderlich. Direkt nach der Behandlung ist das Tragen eines medizinischen oberschenkellangen Kompressionsstrumpfes sinnvoll. 

Beschwerden können, vor allem bei Verwendung höherer Konzentrationen und Behandlung ausgeprägterer Befunde eher und auch noch zeitlich verzögert auftreten. Diese Beschwerden entsprechen dem Bild einer oberflächlichen Venenentzündung, sind eine typische Folge der Behandlung und klingen im Laufe der Zeit mit dem bindegewebigen Umbau der behandelten Venen wieder ab.
Es handelt sich um eine normale Reaktion.

Nach der Behandlung sollten Sie einen intensiven Spaziergang von 20 bis 30 Minuten zu unternehmen, um die Verteilung des Medikamentes zu beschleunigen. Ein Kompressionsstrumpf verbessert das Resultat zusätzlich und sollte für 1 bis 2 Tage mindestens getragen werden. Sehr langes Stehen oder Sitzen am Tag der Behandlung ist aufgrund der venösen Stauung nicht zu empfehlen. Die Menge des Medikamentes ist bei der Einzelanwendung begrenzt, so dass je nach Befund, mehrere Termine erforderlich sind, um ein dauerhaft gutes Ergebnis zu erreichen.

Fachartikel von Dr. med. Thomas Weiler

Dr. med. Thomas Weiler

Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, Phlebologie

Fachwissen:

  • Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
  • Seit Januar 2005 niedergelassen als Gefäßchirurg in Pforzheim
  • 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie und Phlebologie
  • Ausbildungsermächtigung Fachgebiet Phlebologie
  • Endovenöse Therapieverfahren (ELVeS Radial Laser, Venefit/VNUS closure fast, Celon-Verfahren/RFITT)
  • Nationale und internationale Vorträge
  • Fortbildungszertifikat Phlebologie
  • Weiterbildungsermächtigung Phlebologie

Mitgliedschaften:

  • Berufsverband der deutschen Chirurgen (BDC )
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie ( DGG )
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie ( DGP )
  • Berufsverband der Phlebologen (BVP)
  • Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Phlebologen
  • American Vein & Lymphatic Society
  • Mitglied im Vorstand AG Endovenöse Therapieverfahren, (DGP)
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