Verödung
Mit Verödung oder Sklerosierung wird eine Behandlung von Venen durch gezielte Injektion eines Verödungsmittels bezeichnet. Es handelt sich um eine medikamentöse Therapie im Gegensatz zur Laserbehandlung, bei der Venen mit Wärmeeinwirkung verschlossen werden. Bei einer Verödung reagiert das injizierte Mittel (Polidocanol, Handelsname Äthoxysklerol®) mit der Veneninnenwand, der sog. Intima. Als Folge der unmittelbar einsetzenden Reaktion werden oberste Gewebeschichten irreversibel geschädigt. Die herbeigeführte Gewebereaktion führt zu einem thrombotischen Verschluss und Verkleben der behandelten Venen. Diese werden im Anschluss in einer bestimmten Zeit von Körperzellen abgebaut und langfristig in Bindegewebe umgewandelt. Die lokale Wirkung wird von der injizierten Menge, der verwendeten Konzentration und Art der Verödung (flüssig, Schaum) sowie der Injektionstechnik bestimmt.
Die Verödungsmethode ist schonend, effektiv und minimalinvasiv. Sie eignet sich besonders für Besenreiser, Seitenäste, restliche Krampfadern kurz nach einer Behandlung oder für die Therapie der mäßiggradigen Rezidivvarikosis.
Vor einer erstmaligen Verödung sollte eine Erhebung des Venenstatus mit Ultraschalluntersuchung erfolgen. Eine aktuelle Ultraschalluntersuchung ist zu empfehlen, wenn die letzte Untersuchung sehr lange zurückliegt. Je nach Ausgangsbefund sind für ein gutes Ergebnis mehrere Behandlungssitzungen notwendig.
Das weltweit am häufigsten verwendete Verödungsmittel ist Polidocanol (Handelsname Äthoxysklerol®). Es wird je nach Befund bzw. der zu behandelnden Regionen mittels ein oder mehrerer Punktionen direkt in die betreffenden Venen injiziert. Polidcanol steht in unterschiedlichen Konzentrationen zu Verfügung. Es kann flüssig oder als Schaum verwendet werden. Beide Formen sind standardisiert und werden entsprechenden der Leitlinien eingesetzt. Häufig werden die Konzentrationen 0,5% bis 2 % in der Flüssig Sklerosierung und 1 bis 3 % bei der Schaumverödung verwendet. Bei einer Behandlung von größeren Arealen oder relevanten Befunden sind mehrere Punktionen erforderlich.
Während der Injektion und anschließend kann ein leichtes Brennen oder Taubheitsgefühl in dem Hautareal wahrgenommen werden. Dies ist abhängig von der Menge und Konzentration des Medikamentes. Polidocanol reagiert direkt mit Proteinen der Veneninnenwand und führt zu einem gezielten Verkleben bzw Verschluss. Anschließend kann eine leichte Entzündungsreaktion entstehen, manchmal verbunden mit einer leichten Rötung der Haut. Hier handelt es sich um eine harmlose, normale Gewebereaktion und Folge der Verteilung des Wirkstoffes in den behandelten Venen und kapillaren Gefäßen der Haut. Die anschließende lokale, exzentrischer Kompression auf die behandelten Venenabschnitte (lokaler Polsterverband) und das Tragen eines Kompressionsstrumpfes unterstützen den Verschluss bzw. das Verkleben der Venen und fördern ein gutes Ergebnis.
Die Verödung selbst ist abgesehen von den Punktionen mit einer kleinen Nadel nicht schmerzhaft. Der beim Einspritzen des Verödungsmittels leicht brennender Schmerz ist eine normale Reaktion.
Eine Sklerosierung dauert nur wenige Minuten und kann öfters wiederholt werden. Die Menge des injizierbaren Medikaments ist bei der einzelnen Behandlungssitzung begrenzt und ist insbesondere abhängig von der verwendeten Konzentration (maximale Dosis 2 mg/kg Körpergewicht). Bei größeren Arealen sind häufig mehrere Termine bzw. erforderlich.
Das Verödungsmittel gelangt mit dem physiologischen venösen Blutstrom unweigerlich in das tiefe Venensystem. Zum schnellen Abtransport über die tiefen Venen ist direkt danach Bewegung wichtig. Es wird allgemein empfohlen den venösen Blutfluss durch schnelles Gehen zu intensivieren. Wir raten Ihnen zu einen 20 bis 30-minütigen schnellen Spaziergang nach der Behandlung. Den angelegten Kompressionsverband sollten Sie mindestens 24 Stunden (je nach Befund und nach individueller Empfehlung) am Bein zu belassen. Nach der Verödung ist auch eine Wadenmuskelgymnastik günstig, um die Verteilung und Verdünnung des Medikamentes über das tiefe Venensystem zu unterstützen. Eine intensive sportliche Betätigung nach einer ausgedehnten Verödungsbehandlung ist im Sinne eines guten kosmetischen und funktionellen Resultates der Behandlung in den ersten 7 Tagen nach der Therapie eher nicht ratsam.