Offenes Bein (Ulcus cruris)

Ein venöses Ulcus an typischer Stelle in Höhe des Innenknöchels entsteht nicht aufgrund einer mangelnden arteriellen Durchblutung, sondern aufgrund einer sehr starken venösen Stauung in das kapilläre Gefäßsystem der Haut und Unterhaut. Der Überbegriff hierfür ist die chronisch venöse Insuffizienz (CVI). Bei Klappendefekten in den tiefen Venen in Folge einer tiefen Venenthrombose oder bei ausgedehnten Krampfadern, staut sich venöses, sauerstoffarmes Blut in die Haut und Unterhaut. Diese Stauung verhindert einen regelrechten Sauerstoff und Nährstofftransport in das Gewebe. Bei leichten Verletzungen und Entzündungen oder spontan können die obersten Hautschichten verletzt werden, die Folge ist eine stark verzögerte bis nicht heilende chronische Wunde, das sog. Ulcus. Bei Besiedelung des Ulcus mit pathogenen Bakterien ist eine schmerzhafte Entzündung der Umgebung ohne Heilungstendenz die Folge.

Eine Abheilung ist nur durch eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung durch venöse Entlastung (Tragen von Kompressionsstrümpfen, Verbesserung des venösen Rückstromes durch Bewegung, Beinhochlagerung) möglich. Außerdem ist bei Superinfektionen eine Keimreduktion durch desinfizierende lokale Behandlung erforderlich. Fast immer ist eine lokale Behandlung ausreichend. Erst nach Abheilung der Haut ist eine operative Sanierung von Krampfadern möglich. Bei schmerzhaften oberflächlichen Entzündungen sind desinfizierte Sprays oder Gel (z.B.: OcteniseptÒ, LavanidÒ) oder ähnliche Präparate zu empfehlen. Dies führt zu einer Keimreduktion, Linderung der Beschwerden und unterstützt den Heilungsprozess.

Ist ein Folgezustand nach einer schweren Thrombose die Ursache für die Hautveränderungen (sog. postthrombotisches Syndrom), muss eine sehr genaue venöse Diagnostik nach Abheilung erfolgen, um die Prognose besser einschätzen zu

können, um eine erneute Ulzeration zu vermeiden. Eventuell kann eine Behandlung der venösen Refluxsituation in den oberflächlichen Venen mit Radiallaser die Hautverhältnisse verbessern. Grundsätzlich gilt, dass bei kritischen Hautverhältnissen Verletzungen strikt vermieden und Hautentzündungen konsequent behandelt werden sollten.

Fachartikel von Dr. med. Thomas Weiler

Dr. med. Thomas Weiler

Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, Phlebologie

Fachwissen:

  • Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
  • Seit Januar 2005 niedergelassen als Gefäßchirurg in Pforzheim
  • 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie und Phlebologie
  • Ausbildungsermächtigung Fachgebiet Phlebologie
  • Endovenöse Therapieverfahren (ELVeS Radial Laser, Venefit/VNUS closure fast, Celon-Verfahren/RFITT)
  • Nationale und internationale Vorträge
  • Fortbildungszertifikat Phlebologie
  • Weiterbildungsermächtigung Phlebologie

Mitgliedschaften:

  • Berufsverband der deutschen Chirurgen (BDC )
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie ( DGG )
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie ( DGP )
  • Berufsverband der Phlebologen (BVP)
  • Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Phlebologen
  • American Vein & Lymphatic Society
  • Mitglied im Vorstand AG Endovenöse Therapieverfahren, (DGP)
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