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Aktuelle Information zur Covid 19

Impfung und Thrombose

Die Immunisierung gegen das Corona Virus ist ein entscheidender Bestandteil in der Strategie zur Bekämpfung der Pandemie. Nach Aufhebung der Priorisierung stehen viele vor der Entscheidung, wie sie sich bei der jetzt veränderten Impfsituation entscheiden sollen.

Nach der Impfung, vor allem bei Verwendung des Vector-Impfstoffs von AstraZeneca, sind bestimmte seltene Thrombosen der Gehirnvenen (sog. Sinusvenen Thrombosen) statistisch signifikant häufiger aufgetreten. Im Zusammenhang mit dieser Komplikation wurde auch ein plötzlicher Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) nachgewiesen. Diese seltene Komplikation ereignete sich vor allem bei jungen Frauen.

Aktuell erreichen uns häufig Anfragen zur Impfung allgemein, dem individuellen Risiko einer tiefen Venenthrombose in Kombination mit der Impfung oder welcher Impfstoff bei einer bereits erlittenen Thrombose geimpft werden sollte.

Um Ihnen die Beantwortung dieser Fragen zu erleichtern möchten wir Ihnen zunächst einige allgemeine Informationen zum Sachverhalt geben:

Das Thromboserisiko wird grundsätzlich durch mehrere Faktoren bestimmt:  Dem angeborenen Thromboserisiko (1) und dem erhöhten Risiko durch spezielle thrombosefördernde Situationen (2). Bei akut auftretenden Thrombosen liegen meistens mehrere Ursachen in einer speziellen Kombination vor.

Ein Hinweis auf eine angeborene oder erworbene Thromboseneigung ist vor allem eine plötzlich auftretende ungetriggerte Thrombose ohne erkennbare Ursache. Der medizinische Fachbegriff Thrombophilie bezeichnet ganz allgemein eine vermehrte Thromboseneigung.

Davon abgesehen werden bei der seltenen Thrombose der Gehirnvenen (Sinusvenenthrombosen) nach der Impfung mit AstraZeneca andere Mechanismen für deren Entstehung diskutiert (3).

  1. Ein angeborenes erhöhtes Thromboserisiko kann bei genetischen Veränderungen der Gerinnungsfaktoren vorhanden sein und weitervererbt werden. Dazu zählen vor allem die Mutationen des Faktors V der Blutgerinnung (Häufigkeit in Europa: heterozygote Träger ca.: 5%) und die Prothrombin Mutation (heterozygote Träger ca.: 2%). Diese Thromboseneigungen werden vererbt und können nur durch eine spezielle genetische Untersuchung (eine sog. Thrombophilie-Diagnostik) bei einem Hämostaseologen (Labormediziner für Gerinnungsdiagnostik) nachgewiesen werden.
  2. Viele äußere variable Faktoren können die Blutgerinnungsneigung aktivieren bzw. das Risiko einer venösen Thrombose erhöhen. Hierzu zählt vor allem Einnahme der Pille, bzw. generell östrogenhaltige Hormonpräparate. Dazu kommen akute Infektionserkrankungen oder entzündliche Erkrankungen allgemein. Jede entzündliche Erkrankung aktiviert das Immunsystem, und diese immunologischen Vorgänge wiederum die Blutgerinnung. Auch eine Impfung mit einer gezielten Immunreaktion kann man hier dazurechnen, genau wie der Verlauf einer Covid-19 Erkrankung. Auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen kann eine vermehrte Gerinnungsneigung auftreten. Hierzu zählt das Antiphospholipid-Syndrom (APS). Bei dieser Autoimmunerkrankung richten sich körpereigene Antikörper gegen Phospholipide und bestimmte Proteine, welche an Phospholipide gebunden sind. Das APS kann auch wiederum im Rahmen von Infektionserkrankungen auftreten. Weitere Risikofaktoren für Thrombosen sind ein höheres Lebensalter, Gewebsverletzungen (Operationen, Verletzungen), Bewegungsmangel oder Immobilisation.
    Bei jungen Frauen ist vor allem die Einnahme von Hormonen (Pille) in Kombination mit Rauchen und einer eventuell vorhandenen Gerinnungsstörung eine kritische Kombination. Diese besondere Risikokonstellation erklärt möglicherweise auch die vermehrten Komplikationen nach Impfungen mit dem AstraZeneca Vakzin.
  3. Eine weitere mögliche Ursache für die Entstehung von Thrombosen nach der Covid 19 Impfung speziell mit dem Impfstoff von AstraZeneca (bzw. bei der Anwendung von Vector Impfstoffen allgemein) ist eine Antikörperbildung gegen Thrombozyten (Blutplättchen). Diskutiert wird eine mögliche allergische Reaktion durch die Immunstimulation, allerdings ist dieser Mechanismus derzeit noch nicht hinreichend geklärt, scheint aber dem Verlauf eines HIT Typ II (einer heparininduzierten Thrombozytopenie) zu entsprechen. Ähnlich wie bei einem HIT traten die beschrieben Sinusvenenthrombosen nach Impfung zeitverzögert (nach ca. 4 bis 16 Tagen) auf und waren begleitet von einem Abfall der Thrombozyten.
    Bei einer heparininduzierten Thrombozytopenie HIT führt eine Antikörperbildung gegen Thrombozyten und den Plättchenfaktor 4 zu einer Verklumpung der Thrombozyten/Blutplättchen in den Blutgefäßen und damit zu thrombotischen Gefäßverschlüssen. Eine heparininduzierte Thrombozytopenie kann nach der Anwendung von Heparinen (Thrombosespritzen) auftreten. Diese äußerst selten Komplikation wird 4 bis 16 Tage nach dem Beginn der Medikation beobachtet wird begleitet von einem starken Abfall der Thrombozyten.

Ist bei Ihnen ein erhöhtes Thromboserisiko bekannt? Sind bei Ihnen bereits Thrombosen ohne erkennbare Ursachen aufgetreten oder besteht eine bekannte kombinierte Risikokonstellation? In diesem Fall sollten Sie dies vor der Planung der Impfung mit ihrem Hausarzt besprechen. Möglicherweise könnte auch eine kurzfristige blutgerinnungshemmende Therapie nach der Impfung bei bestimmter Risikokonstellation diskutiert werden.

Treten zeitverzögert (ca. 4 Tage nach der Impfung) neue und unklare Beschwerden auf (starke anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Beinschwellungen, punktförmige Hautblutungen), dann sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen.

Bei der Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten als notwendige Dauermedikation (bei Herzerkrankungen, nach einer tiefen Venenthrombose und Lungenembolie oder bei Gerinnungsstörungen) sollen diese nicht vor der Impfung abgesetzt bzw. pausiert werden. Sie sollten dieses aber im Vorfeld mit ihrem Hausarzt besprechen und auch an der Impfstation angegeben.

Grundsätzlich ist der Einsatz der Impfstoffe in der Pandemiebekämpfung höchst sinnvoll. Komplikationen können durch eine sehr gründliche Abwägung ihrer individuellen Risiken und der Auswahl der einzelnen Impfpräparate sicher weiter reduziert werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) aktualisiert ihre Empfehlungen zur Verwendung der einzelnen Impfstoffe für bestimmten Bevölkerungsgruppen. Der Impfstoff von AstraZenca und auch von Johnson und Johnson wird aufgrund der besonderen Komplikation (s.o.) für junge Frauen nicht mehr empfohlen.

Diese Informationen sollen Ihnen beim Verständnis der diversen Informationen zur Impfung und Impfstoffen helfen.

Falls Sie weitere Fragen haben melden sich bei uns.
Gerne per Mail info@venencentrum-pforzheim.de oder
telefonisch +49 7231 - 15 44 66