Lymphödeme

Ein Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung / Wasseransammlung im Unterhautbindegewebe. Es verursacht mehr oder wenig starke Schwellungen an den unteren Extremitäten, ganz besonders im Bereich der Unterschenkel. Die Ödeme sind abends in Folge der statischen Belastung (aufrechte Körperhaltung, stehende oder sitzende Position, wenig Bewegung) und in der wärmeren Jahreszeit verstärkt. Sie bilden sich bei einfachen Formen durch die liegende Position in der Nacht bis zum Morgen durch Resorption der Gewebeflüssigkeit von allein zurück (Stadium 1). Stärkere Ödeme persistieren auch nach der nächtlichen Ruhephase. Liegen allein reicht nicht mehr für eine komplette Entstauung aus (Stadium 2).

Allgemein besteht Ödem aus einer Wasseransammlung in und zwischen Zellen des Bindegewebes. Im Laufe der Zeit sammelt sich immer mehr freie Flüssigkeit im Unterhautfettgewebe an. Bei länger bestehenden chronischen Stauungen ist auch ein Ödem in den tieferen Gewebsschichten (subfaszial) in der Muskulatur nachweisbar. Die Beine fühlen sich dauerhaft und zunehmend schwer an. Häufig besteht ein Spannungsgefühl im Unterschenkel und es können Hautveränderungen (Braunverfärbungen, Hautentzündungen/Juckreiz/Ekzeme/Wundheilungsstörungen) entstehen. Die Ödeme lassen sich über dem Scheinbein an der Vorderseite des Unterschenkels mit den Fingern eindrücken, es bleiben vorübergehend typische Dellen zurück.

Es handelt sich um eiweißreiche, feste Ödeme, die auch ohne erkennbare Ursache auftreten können. Sie werden dann als primäre Lymphödeme bezeichnet. Treten Lymphödeme als Folge einer erworbenen Schädigung von Lymphbahnen auf (z. B.: nach Verletzungen, Entzündungen, Tumoren, Operationen) so werden diese als sekundäre Lymphödeme bezeichnet. 

Nach ihrer Ursache werden die Lymphödeme werden in primäre und sekundäre Ödeme eingeteilt. Primäre Lymphödeme entstehen ohne äußere Ursache bei angeborenen oder genetisch bedingten Fehlbildungen des Lymphsystems.  Bei der größeren Gruppe der sekundären Lymphödeme sind erworbene Schäden des Lymphabflusses die Ursache. Schäden an den Lymphbahnen können durch Infektionen, Weichteilverletzungen, Traumata, bei Tumoroperationen, nach Bestrahlung oder nach Entfernung von Lymphknoten auftreten. 

Bei ausgeprägten Krampfadern bilden sich infolge der deutlichen venösen Stauung im vermehrte sekundäre Lymphödeme. Diese treten vor allem abends und in der wärmeren Jahreszeit verstärkt auf. Lymphödeme entstehen auch bei venösen Abflussbehinderungen des tiefen oder oberflächlichen Venensystems durch eine Thrombose. Venös bedingte Ödem sind bei der chronisch venösen Insuffizienz nachweisbar. Hierbei handelt es sich um einen Zustand mit dauerhafter Schädigung der tiefen Venen mit Behinderung des venösen Rückstromes durch Verklebung/Sklerosierung und Fehlfunktion der zarten Venenklappen oder verbliebenen alten organisierten Thrombus Resten. Bei neu aufgetretenen ödematösen Schwellungen der Beine ist im Allgemeinen immer eine Abklärung der Beinvenen ratsam.

Therapeutische Ansätze bei Lymphödemen sind zunächst aktive Bewegung, regelmäßige Wadenmuskelgymnastik, Hochlagerung der Beine und eine spezielle Kompressionsbehandlung. Eine Gewichtsreduktion bewirkt über die Senkung des zentralen Druckes in den Bauchvenen eine Minderung der lymphatischen Stauung. Unter den Bewegungssportarten ist vor allem Schwimmen geeignet, denn der Wasserdruck verstärkt zusätzliche zur Bewegung die Resorption und den Rücktransport der Wasseransammlungen im Gewebe. Allerdings sollte die Wassertemperatur hierbei nicht zu warm sein. Baden im Thermalwasser ist in diesem Fall eher ungünstig. Thermalwasser zeigt beim Wärmetransport eine stärkere Tiefenwirkung, was einerseits bei Gelenkbeschwerden hilfreich ist. Allerdings erzeugt diese Wärme nach dem Baden eine Erweiterung der Venen in der Haut und Unterhaut (Vasodilatation), und verstärkt die Schwellneigung der Beine. Beim Saunieren ist dieser Effekt geringer ausgeprägt, heiße Luft entfaltet weniger Tiefenwirkung und durch kalte Güsse nach dem Saunagang wird die Vasodilatation wieder aufgehoben.

Zusätzlich kann vor allem bei chronischen Lymphödemen oder ausgeprägten neu aufgetretenen Ödemen eine Behandlung mit Lymphdrainage notwendig werden, welche bedarfsgerecht rezeptiert werden kann und nur von speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden sollte (siehe Behandlung nach Prof. Földi). Ein essenzieller Bestandteil dieser Behandlung ist das konsequente Tragen von speziell angepassten medizinischen Kompressionsstrümpfen in einer sinnvollen Kompressionsklasse. 

Alternativ zur manuellen Lymphdrainage gibt es die Möglichkeit einer standardisierten intermittierenden pneumatische Kompression (IPK). Hier werden die Beine von Luftkammern umschlossen, welche durch wechselndes Aufblasen der Druckpolster durch ein Steuerungsgerät in einer bestimmten Abfolge mit einstellbarem Druck eine definierte gezielte Entstauung der Beine bzw. des Ödems bewirken. Die IPK wird im Wesentlichen zur Entstauungstherapie bei Ödem Erkrankungen, auch in der Erhaltungsphase nach Entstauung und zur Thromboembolie Prophylaxe eingesetzt. Die Anwendung aktiviert und unterstützt den natürlichen Lymphfluss, fördert und verbessert die arterielle Durchblutung mit Linderung der venösen Beschwerden und unterstützt die Abheilung von stauungsbedingten Hauterkrankungen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Ressourcen eingespart werden und eine häusliche Behandlung zeitlich frei wählbar und nach Bedarf möglich ist. Die Effizienz der Therapie ist durch viele Studien belegt. Eine Kombination der Behandlung mit einer medizinischen Kompression ist erforderlich und für eine nachhaltige Entstauung zu empfehlen. 

Mittlerweile sind diverse Geräte im freien Handel zur Beinmassage und Unterstützung der Entstauung verfügbar. Diese Geräte werden im Leistungssport nach ausgedehnter sportlicher Belastung der Muskulatur zur Förderung der Regeneration zunehmend eingesetzt. Diese Entstauungsgeräte sind bei chronischen venösen Beschwerden, relevanten Stauungsödemen in der Erhaltungsphase medizinisch sinnvoll und langfristig kosteneffektiv (z.B.: Venenengel®, Blackroll® Normatec® etc). Vor dem Erwerb eines solchen Gerätes für die Behandlung zu Hause, ist es ratsam diese zuvor 2- bis 3-mal zu testen, um den entstauenden Effekt besser einschätzen zu können.

Das Unterhautgewebe ist bei ödematöser Stauung stark gefährdet für bakterielle Infektionen. Bakterien finden in den Gewebsspalten und Lymphbahnen und im ödematösen Bindegewebe idealen Nährboden. Sie gelangen durch Verletzungen, über winzige Hautrisse bei trockener Haut, Bagatellverletzungen, unbemerkte Hautpilzinfektionen, Insektenstiche, chronischen Wunden etc. in das Unterhautgewebe und können sich dort sehr schnell ausbreiten. Es droht eine hoch fieberhafte Erkrankung, das Erysipel. Zu einer erfolgreichen Therapie ist die Eindämmung der bakteriellen Entzündung durch eine gezielte erregerspezifische Antibiose notwendig. Beim akuten Erysipel kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. Die hoch fieberhafte systemische Erkrankung ist nicht zu unterschätzen und erfordert eine möglichst schnelle Diagnose mit Einleitung einer spezifischen Antibiose.

Ganz besonders muss bei chronischen Lymphödemen neben entstauenden Maßnahmen auf eine ausreichende Hautpflege geachtet werden, um die sehr empfindliche Barriere zu schützen und um Infektionen der Haut und des Unterhautgewebes (Erysipel) durch Verletzungen zu vermeiden. Bei trockener Haut sind grundsätzlich einfache Cremes oder Lotionen mit Harnstoff (Urea) in einer Konzentration von 5 bis 10 % zur Verbesserung der Hautfeuchtigkeit und Unterstützung der Hautschutzfunktion ratsam. Pilzerkrankungen der Haut sollten vermieden bzw. konsequent behandelt werden. Hier empfehlen auch eine fachliche und qualifizierte Beratung in der Apotheke.

Fachartikel von Dr. med. Thomas Weiler

Dr. med. Thomas Weiler

Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, Phlebologie

Fachwissen:

  • Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
  • Seit Januar 2005 niedergelassen als Gefäßchirurg in Pforzheim
  • 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie und Phlebologie
  • Ausbildungsermächtigung Fachgebiet Phlebologie
  • Endovenöse Therapieverfahren (ELVeS Radial Laser, Venefit/VNUS closure fast, Celon-Verfahren/RFITT)
  • Nationale und internationale Vorträge
  • Fortbildungszertifikat Phlebologie
  • Weiterbildungsermächtigung Phlebologie

Mitgliedschaften:

  • Berufsverband der deutschen Chirurgen (BDC )
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie ( DGG )
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie ( DGP )
  • Berufsverband der Phlebologen (BVP)
  • Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Phlebologen
  • American Vein & Lymphatic Society
  • Mitglied im Vorstand AG Endovenöse Therapieverfahren, (DGP)
Focus Gesundheit 
Top Mediziner 2025 
Dr. Thomas Weiler
 Venenleiden
Logo der Deutschen Gesellshaft für Phlebologie