Venenoperationen: So gewebeschonend wie möglich

Einleitung

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie stellen eine krankhafte Erweiterung der Stammvenen dar, die bei Nichtbehandlung zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann. Als Therapieoptionen stehen dabei heute sowohl das klassische als auch endovaskuläre OP-Verfahren zur Verfügung, wobei letzteres ein für Patienten besonders schonendes Verfahren ist.

Bei der Fragestellung, ob eine invasive Behandlung der Varikosis (Venenoperation) erfolgen soll, muss zunächst das Stadium der Erkrankung berücksichtigt werden. Der Befund der Varikosis kann nach den CEAP-Kriterien erhoben und beurteilt werden. Bei dieser Einteilung werden der klinische Befund der Varikosis (engl.: clinical condition), die Ätiologie der venösen Insuffizienz (engl.: etiology), die Anatomie und Pathophysiologie berücksichtigt. All diese Faktoren spielen gerade bei der Indikationsstellung zur operativen Behandlung eine wichtige Rolle. Einerseits geht es um das Verhindern schlimmer Komplikationen wie Hautekzem, Ulzera und Thrombose. Andererseits steht bei den frühen Stadien der Erkrankung der kosmetisch-ästhetische Aspekt im Vordergrund.

Exakte Diagnostik – Basis für eine erfolgreiche Venenoperation

Am Beginn der Therapieempfehlung steht eine eingehende Diagnostik, welche im Allgemeinen mittels Duplexsonographie durchgeführt wird. Direkt präoperativ wird die spezifische Refluxsituation nochmals untersucht und genau angezeichnet (Mapping). Die Strecke des venösen Refluxes in der Vena saphena magna oder Vena saphena parva wird festgelegt und markiert (Stadieneinteilung nach Hach). Zudem wird unterschieden, ob eine komplette Stammvarikosis mit Defekt der Crosse vorliegt, oder ob die betreffende Stammvene hauptsächlich über eine insuffiziente Perforansvene gestaut wird (sog. inkomplette Stammvarikosis). Bei vorhandener deutlicher Crosseninsuffizienz entwickelt sich in der Stammvene und vor allem distal schneller ein höherer Druck, als wenn die Vene nur inkomplett über die Perforatoren defekt wird. Je länger die Strecke des Refluxes in der Stammvene (Blow-down-Strecke), und je größer der Durchmesser der defekten Vena saphena magna oder parva, umso eher entwickelt sich distal am Unterschenkel ein venöser Hochdruck mit entsprechenden Folgen für die Haut und Unterhaut (Stauungsdermatose, Stauungsekzem, Dermatolipo(-faszio-)sklerose und Ulkus).

Klassisches OP-Verfahren

Bei der klassischen Venenoperation wird eine Crossektomie der Vena saphena magna oder der Vena saphena parva mit entsprechender Teilsaphenektomie durchgeführt. Nur selten, bei nachgewiesenem Insuffizienzstadium Hach IV der Magna oder Hach III der Parva, erfolgt die komplette Exhairese der Stammvene. Zudem können größere defekte Perforansvenen in Ministich-Technik ligiert und Seitenäste ggf. verödet werden. Der Eingriff wird meistens in Blutleere (Rollmanschette nach Löfquist) durchgeführt. Der Vorteil der Rollmanschette besteht in der guten intraoperativen Übersicht (Verminderung der venösen Blutung). Dadurch ist meist auch eine Verkürzung der OP-Zeit möglich und das Risiko für das Auftreten von postoperativen Hämatomen wird reduziert. Bei Beschränkung der operativen Therapie auf die wesentlichen Stellen des venösen Refluxes (nach genauer präoperativer Diagnostik) ist das operative Trauma im Allgemeinen gering und das ästhetische Ergebnis sehr gut.

Endovaskuläres OP-Verfahren

Zudem stehen seit einigen Jahren moderne schonendere OP-Verfahren zur Verfügung. Bei diesen sogenannten endovaskulären Verfahren wird auf eine Entfernung der Vena saphena magna oder parva verzichtet. Bei dieser Operationstechnik wird eine spezielle Sonde in die geschädigte Vene von distal eingeführt. Diese Sonde wird crossennah in der Leiste bzw. in der Kniekehle unter sonographischer Kontrolle platziert und anschließend langsam unter Energieabgabe zurückgezogen. Die Refluxstrecke der Vena saphena magna oder Vena saphena parva wird durch Wärmeabgabe an der Sondenspitze thermisch verschlossen, ohne die Vene selbst zu entfernen. Physikalisch wird die Hitze durch einen Laser, Radiowelle oder Radiofrequenz erzeugt. Für den Erfolg des Verfahrens ist der dauerhafte Verschluss der behandelten Vene notwendig. Der Vorteil der Methode ist das geringere operative Trauma. Da man auf eine Crossektomie und die Entfernung der defekten Vena saphena verzichtet, werden diese Behandlungsverfahren als minimalinvasive Venenoperationen bezeichnet. Die Kosten für die Behandlung werden meistens nicht durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zur Indikation bleibt anzumerken, dass nicht jeder Befund grundsätzlich auch für das endovaskuläre Verfahren geeignet ist. Dies kann erst bei einer genauen Untersuchung des Varikosisbefundes beurteilt werden.

Grundsätzlich Gewebetrauma minimieren

Die Venenoperation sollte grundsätzlich immer gewebeschonend erfolgen und das operative Trauma auch beim klassischen OP-Verfahren so gering wie möglich gehalten werden. Gerade der kosmetisch-ästhetische Aspekt ist wichtig. Gesunde Venensegmente sollten immer erhalten werden. Ein geringes Gewebetrauma schont insbesondere auch die Lymphbahnen. Möglichst wenig Hautinzisionen, und diese so klein wie möglich, garantieren auch bei guter OP-Planung ein gutes Resultat. Gerade auch der Wundverschluss sollte unter kosmetischen Gesichtspunkten erfolgen: Anwendung der Intracutannaht bzw. wenn möglich Verschluss der Mini- Inzisionen mit Klebestreifen.

Bei Beachtung all dieser Kriterien lässt sich fast immer für die Patienten ein gutes bis sehr gutes Ergebnis durch die Venenoperation erreichen. Grundsätzlich ist abschließend zu sagen: Das Behandlungsziel ist der langfristige Erfolg der operativen Behandlung, insbesondere auch unter medizinischfunktionellen und ästhetischen Gesichtspunkten. Hieran müssen alle angewandten Therapieverfahren gemessen werden. Jede Venenoperation sollte so schonend wie möglich durchgeführt werden. Wir empfehlen routinemäßig eine Kontrolluntersuchung nach 3 bis 6 Monaten. Hierbei wird eine duplexsonographische Befundkontrolle erhoben, ggf. mit Nachverödung noch verbliebener Seitenäste. Somit kann auch die seltene echte Rezidivvarikosis frühzeitig erfasst und entsprechend behandelt werden.

Lesen Sie mehr über die endovaskulären Verfahren, die im Venenzentrum Pforzheim angewendet werden: Celon-Methode und VNUS closure fast.

Autor:

Herr Dr. med. Thomas Weiler

Facharzt für Allgemeine Chirurgie, Gefäßchirurgie
Wilhelm-Becker-Str. 11b
75179 Pforzheim

© 2014 Venencentrum Pforzheim