Operative Verfahren / Krampfaderoperation

Grundsätzliches zur Behandlung

Eine Behandlung der Krampfadern kann nur erfolgreich sein, wenn die stauungsverursachende, defekte Vene am OS bzw. US (die betroffene Vena saphena magna oder Vena saphena parva) sicher und dauerhaft erfolgreich behandelt wird. Diese Vene ist von außen meist nicht sichtbar. In seltenen Fällen sind beide Venen an einem Bein defekt und für die sichtbaren Krampfadern verantwortlich. Die Diagnostikmethode der Duplex-Sonographie, vor allem wenn sie durch den Operateur angewendet wird, hat das Verständnis des Krankheitsbildes einerseits, und die Behandlungsansätze und die postoperativen Ergebnisse andererseits, ganz entscheidend beeinflusst und verändert. Moderne hochauflösende Duplexsonographiegeräte sind für eine genaue Diagnostik und Therapieplanung von sehr großer Bedeutung.

Stripping Verfahren

Werden die defekten Stammvenensegmente entfernt, die sogenannte Teilsaphenektomie, so spricht man hier auch vom sogenannten Stripping-Verfahren. Wird die ganze betreffende Vene entfernt, so wird dieser Eingriff auch als Saphenektomie (der Vena saphena magna oder parva) bezeichnet. Dieses OP-Verfahren wurde 1907 von dem amerikanischen Chirurgen William Babcock aus New York entwickelt, publiziert und erstmalig angewendet. Im weiteren Verlauf entstand aus dieser Ur-Methode durch beständige Weiterentwicklung das heutige OP Verfahren.

Endovasculäre / minimalinvasive Verfahren

Ein weiterer Therapieansatz bei der Krampfaderoperation ist mit neuen Techniken der modernen Medizin, dem Laser und der Radiofrequenztechnik, entwickelt worden. Es hat sich gezeigt, dass die Venenwand auch mit einer Sonde die Hitze abgibt und so geschädigt werden kann, dass der so behandelte Venenabschnitt dauerhaft verschlossen bleibt. Somit wird keine venöse Stauung mehr verursacht. Die so behandelte Vene wird anschließend vom Körper abgebaut und verschwindet so unsichtbar aus Ihrem Bein! Die Beschwerden, die durch die gestaute Stammvene verursacht wurden, sind schlagartig beseitigt. Die Spuren der Krampfaderoperation sind nahezu unsichtbar und es verbleiben fast keine Narben, nur winzigste fast nicht sichtbare Punktionsstellen auf ihrer Haut.

Stripping als auch die modernen Verfahren der Krampfaderoperation sind erfolgreich und in der Behandlung des Krampfaderleidens bzw. der Stammvarikosis fest etabliert. Die moderneren endovasculären Verfahren existieren seit ca. 10 Jahren und werden auch als minimalinvasive OP-Verfahren bezeichnet. Das elegante daran ist, dass bei dem neuen Verfahren auf Hautschnitte verzichtet werden kann. Die defekten Venen werden bei der Operations-Behandlung nur punktiert, so dass keine dauerhaften sichtbaren Narben resultieren. Dieses OP Verfahren ist nur unter gleichzeitiger Ultraschall-Kontrolle möglich, da die Behandlungs-Sonde auch nur mit Ultraschall sichtbar ist.

Besonders schonende Venenbehandlung mit dem endovasculären Operationsverfahren

Bei der Krampfaderoperation mit dem schonenden endovasculären Verfahren wird die Stammvene am unteren Ende der defekten Strecke unter Ultraschallkontrolle schonend punktiert (am Oberschenkel oder Unterschenkel, je nach individuellem Befund). Anschließend wird die Sondenspitze sicher am oberen Endpunkt der Refluxstrecke, in der Leiste oder in der Kniekehle, genau platziert. Erst dann erfolgt durch langsamen und kontrollierten Rückzug und gleichzeitiger Energieabgabe an der Sondenspitze ein gezielter Verschluss der Vene durch die Hitzeeinwirkung. Die Vene verbleibt an Ort und Stelle, ist jedoch durch die Behandlung so geschädigt, dass sie vom Körper langsam abgebaut wird. Das Verfahren erfolgt unter genauster Ultraschallkontrolle.

Zu den endovasculären Operationsverfahren gehören:

  • die Celon-Methode (RFITT, dies bedeutet: radio-frequenz-induzierte Thermo-Therapie)
  • das VNUS Closure™, heute als Venefit bezeichnet und
  • die endovenöse Laser-Therapie (EVLT, dies steht für: endo-venöse-Laser-Therapie)

Der eindeutige Vorteil der endovasculären OP-Verfahren besteht darin, dass

  • auf einen Hautschnitt in der Leiste / Kniekehle und an der Sondenausleitungsstelle verzichtet werden kann. Nach der Krampfaderoperation entstehen somit fast keine bleibenden Narben. Die Punktionsstelle der Sonde bleibt später nahezu unsichtbar. Die Dauer des Eingriffes wird zudem verkürzt;
  • weniger postoperative Beschwerden auftreten (schnellere Mobilisation, auch beidseitige Behandlungen sind möglich);
  • die Risiken für Blutergüsse (Hämatome), Verletzung von Lymphbahnen und Wundinfekte deutlich reduziert werden;
  • die postoperative Kompressionsdauer und Arbeitsausfallzeiten verkürzt werden;
  • der Patientenkomfort somit entscheidend verbessert wird.

Die Krampfaderoperation ist fast immer ambulant möglich und kann unter örtlicher Betäubung oder auch in Narkose erfolgen.

Auch wenn mit der konventionellen Krampfaderoperation heute kosmetisch und ästhetisch sehr gute Ergebnisse erreicht werden, steht mit der modernen endovasculären OP-Methode ein noch eleganteres Verfahren zur Verfügung, welches einen anderen Therapieansatz verfolgt. Statt die Vene zu entfernen („Herausziehen“/ Stripping), wird die Vene schonend mit einer speziellen Sonde verschlossen und verschwindet, indem sie vom körpereigenen Gewebe abgebaut wird! Das Verfahren ist zudem unter zusätzlicher lokaler Anästhesie (Tumeszenzanästhesie) postoperativ schmerzfrei. Das Risiko für Wundinfekte wird fast komplett ausgeschaltet. Die postoperativen Resultate sind besser (eigene Beobachtungen) und es treten weniger Rezidivvenen (neugebildete Krampfadern) auf. Das Verfahren lässt sich besser mit einer intraoperativen schonenden Verödungsbehandlung kombinieren.

Anästhesie bei der Krampfaderoperation

Das Stripping-Verfahren wird zur umfassenden Schmerzausschaltung in Narkose durchgeführt. Aufgrund der guten Verträglichkeit und dem angenehmen Aufwachverhalten bevorzugen wir die Total intravenöse Anästhesie (TIVA).

Die Krampfaderoperation mit den oben genannten, moderneren endovaskulären Verfahren könnte zwar prinzipiell auch in reiner örtlicher Betäubung, unter Umspritzung der zu behandelnden Stammvene mit einer Mischung aus Kochsalzlösung und Lokalanästhetikum (sog. Tumeszenzanästhesie) durchgeführt werden. Jedoch kann die Hitzeeinwirkung dennoch schmerzhaft empfunden werden. Deshalb empfehlen wir auch bei diesen modernen Verfahren eine total intravenöse Anästhesie (TIVA). Durch die Schmerzausschaltung und Ruhigstellung wird der Eingriff schonender und schmerzfreier für den Patienten, die OP-Zeit wird verkürzt, eine Umspritzung des perivenösen Gewebes kann reduziert werden.

Beim Celon-Verfahren kann unter TIVA auf eine Tumeszenzanästhesie fast komplett verzichtet werden. Bei den beiden anderen Verfahren ist eine Umspritzung zwingend notwendig, da an der Katheterspitze höhere Temperaturen entstehen. Kann aus bestimmten Gründen keine TIVA durchgeführt werden, überwacht unsere Narkoseärztin ihre Vitalparameter während des gesamten Eingriffs (Anästhesiologischer Standby). Dabei können mittels Analgosedierung Stress und Schmerz teilweise reduziert werden.

Untersuchung und Diagnostik vor der Krampfaderoperation

Entscheidend für den Erfolg der Krampfaderoperation ist die exakte Untersuchung und Diagnostik durch den Operateur, die richtige individuelle Auswahl des Therapieverfahrens und ganz besonders die Erfahrung des behandelnden Arztes mit den einzelnen OP-Verfahren, welche angewendet werden. Jeder Befund einer Varikosis ist individuell und unterschiedlich, es gibt sehr viele Variationen an venösen Stauungsmustern. So kann auch die operative Therapie, die Art der Krampfaderoperation, erst nach einer eingehenden Untersuchung empfohlen werden. Weder ist das eine noch das andere OP-Verfahren grundsätzlich immer von Vorteil.

Fazit

Die Tendenz bei der Auswahl des zu empfehlenden Verfahrens geht eindeutig in Richtung der schonenderen Methoden, da die Vorteile bei korrekter Anwendung deutlich überwiegen.

Die moderne OP Verfahren werden aktuell jedoch noch nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen, aber von einer ständig steigenden Anzahl an Kostenträgern übernommen.

Die modernen OP-Verfahren sind zukunftsträchtig, bieten viele Vorteile für die Patienten und sind aus der modernen operativen Therapie der Krampfadern nicht mehr wegzudenken. Das Krankheitsbild der Krampfadern, die Stammvarikosis der Vena saphena magna oder Vena saphena parva ist ein Leiden des Menschen, welches durch den aufrechten Gang entstanden ist. Die Probleme durch die Erkrankung entstehen durch den venösen Hochdruck in der Peripherie, welche durch die defekten Unterhautleitvenenabschnitte verursacht werden. Eine operative Therapie dieser Venensegmente ist durch eine Krampfaderoperation erst seit ca. 100 Jahren möglich. Moderne Diagnostik mit Ultraschall (Duplexsonographie) haben das Verständnis für das Krankheitsbild und ganz besonders die Therapie erheblich verbessern können. Die OP-Methoden wurden in den letzten Jahrzehnten beständig weiterentwickelt und modifiziert. Zudem stehen nun seit ca. 10 Jahren modernste endovasculäre  Behandlungsverfahren zur Verfügung und sind fest etabliert.

Viele Gründe sprechen daher für eine moderne Behandlung, denn die Entwicklung der Medizintechnik kann hier direkt an die betroffenen Patienten weitergegeben werden. Heute kann das Volksleiden Krampfadern mit den schonenden endovasculären OP-Verfahren so therapiert werden, dass kosmetisch ästhetisch und funktionell dauerhaft gute Behandlungserfolge garantiert werden können.

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