Antworten auf wichtige Fragen zum Thema Venenerkrankungen

Vor allem optisch sind Krampfadern ein Ärgernis. Manchmal führen sie aber auch zu Beschwerden wie Hautveränderungen oder geschwollenen, schweren Beinen am Abend. In solchen Fällen sollte ein Venenspezialist abklären, was dahintersteckt. Der Pforzheimer Facharzt Thomas Weiler gibt Antworten auf wichtige Fragen.

Wie sehen Aufbau und Funktion gesunder Venen aus?

Venen sind Hochleistungsgefäße. Sie transportieren das venöse Blut zurück zum Herzen. Besondere Arbeit verrichten die Beinvenen unter statischer Belastung, beim Stehen und Sitzen, denn hierbei ist der Blutfluss gegen die Schwerkraft gerichtet. Um diesen Blutfluss gegen die Schwerkraft zu ermöglichen, arbeiten verschiedene Systeme zusammen. Die Venenklappen finden sich in den tiefen und oberflächlichen Venen. Durch ihren Ventilmechanismus verhindern sie den Rückfluss des Blutes. Bei körperlicher Bewegung wird der venöse Blutfluss in den Beinen zusätzlich durch die Wadenmuskelpumpe unterstützt.

Warum sind Venenerkrankungen wie Krampfadern so weit verbreitet?

Die Ursache der Erkrankung liegt hauptsächlich in der genetischen Veranlagung zur Venenwand- und Bindegewebsschwäche, die sehr stark verbreitet ist. Venenerkrankungen gehören nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation zu den häufigsten Krankheiten überhaupt und zählen somit zu den Volkskrankheiten. Die eigentliche Ursache für die Entwicklung der Varikosis ist im aufrechten Gang des Menschen zu sehen. Das Blut muss ja, wie schon erläutert, beim Stehen und Sitzen aus den Beinen bis zum Herzen gegen die Schwerkraft zurückgepumpt werden. Bei familiärer Veranlagung wirken sich venenbelastende Faktoren wie Bewegungsmangel, stehende oder sitzende Tätigkeiten sowie Übergewicht besonders ungünstig aus. Die größere Häufigkeit von Krampfadern bei Frauen wird durch die zusätzliche Belastung des Venensystems während der Schwangerschaft und die Hormoneinwirkung verursacht.

Welche Beschwerden gehen mit Krampfadern einher?

Krampfadern entstehen auf Basis einer venösen Stauung, durch Veränderung der Venenwand und nicht mehr funktionierende Venenklappen im oberflächlichen Venensystem. Es entwickelt sich ein Rückstau des Blutes in die Unterhautleitvenen. Diese Erkrankung wird als Stammvarikosis bezeichnet. Häufige und typische Beschwerden entstehen vor allem bei fehlender Bewegung und dem dadurch bedingten Ausfall der Wadenmuskelpumpe sowie gleichzeitiger statischer Belastung der Beinvenen, wie es beim Stehen und Sitzen der Fall ist. Typisch sind schwere, müde und geschwollene Beine, Spannungsgefühl in den Unterschenkeln und in der Knöchelregion. Die Beschwerden sind vor allem abends und in der warmen Jahreszeit verstärkt. Natürlich können sie auch andere Ursachen haben. Deshalb ist eine Untersuchung beim Arzt sinnvoll.

Welche Möglichkeiten gibt es, Varikosis zu diagnostizieren?

Am Beginn steht eine klinische Untersuchung der Beine. In der Regel wird anschließend das tiefe und oberflächliche Venensystem untersucht. Nur noch in seltenen Fällen wird eine Darstellung der Venen mit Kontrastmittel notwendig. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass, je frühzeitiger eine Varikosis der Beinvenen sichtbar wird, umso eher auch eine Untersuchung erfolgen sollte. Die rechtzeitige Behandlung kann Komplikationen und Folgeschäden vermeiden. Wenn bereits ein bestimmter Hochdruck in den geschädigten Venen besteht, muss eine Behandlung eingeleitet werden.

Wie sieht die Behandlung aus, was wird im Einzelnen unternommen?

Zunächst kann man mit medizinischen Kompressionsstrümpfen den venösen Abstrom des Blutes aus den Beinen unterstützen. Kleinere sogenannte Seitenastvarizen sind für eine Verödungsbehandlung geeignet. Ausgeprägte Befunde sollten meist operativ behandelt werden, um langfristig ein gutes Ergebnis zu erzielen. Hierzu steht die konventionelle Operation (Teilsaphenektomie) zur Verfügung. Bei dieser OP-Technik wird lediglich das defekte Segment der Vene entfernt, gesunde Venenabschnitte werden erhalten und geschont. Dieser Eingriff wird unter kosmetisch-ästhetischen Gesichtspunkten durchgeführt, so dass nur wenige Schnitte beziehungsweise Stiche erforderlich sind.

Seit einigen Jahren gibt es überdies sogenannte minimalinvasive Verfahren zur Behandlung der Stammvarikosis. Diese OP-Techniken werden auch als endovaskuläre Methoden bezeichnet. Bei dieser Operationsvariante kann auf größere Schnitte verzichtet werden. Das kranke Venenteil wird lediglich durch einen Katheter zum Verschluss gebracht und anschließend vom Körper abgebaut.

Fazit: Generell lässt sich sagen, dass sich die Venenerkrankungen in der Regel gut behandeln lassen. Bei ausgeprägter Veranlagung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu empfehlen. Bei entsprechender Therapie erreicht man normalerweise ein ästhetisch und medizinisch funktionell gutes Ergebnis.

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